Schwedisch Lappland – 10 Tage in der Tundra
Träumt nicht jeder Fliegenfischer oder Fliegenfischerin davon, einmal ab von jeglicher Zivilisation noch absolut naturbelassene Gewässer zu befischen und richtig wilde Fische zu fangen? Wir schon! Letzten Sommer haben wir unsere Träume zur Realität gemacht und uns für 10 Tage in der Tundra von Schwedisch Lappland aussetzen lassen.
Planung und Anreise
Bevor wir endlich losfliegen konnten war viel Planung angesagt! Wir haben alles Wichtige in der Schweiz gekauft, auch einen Teil des Proviants, da es schwierig ist in einem fremden Land mit einer fremden Sprache das zu finden was man braucht. Dann Essensplan erstellen, Fliegen binden, alles neu imprägnieren, testen, packen, wiegen, neu packen, neu wiegen, die scheinbar unnötigsten Sachen aussortieren (T-Shirts, Socken und frische Unterwäsche), packen, wiegen kontrollieren und einchecken. Die Gewichtsbeschränkung der Airlines ist ideal, da dies etwa der Zuladung des Helikopter entspricht.

Endlich begann unser Abenteuer, via Stockholm flogen wir nach Kiruna wo Lukas von Artic Heli bereits auf uns wartete. Nach den letzten Besorgungen nahmen wir auf der Terrasse des Arctic Heli Camp unsere letzte zivilisierte Mahlzeit in Form von Pizza zu uns. Ca. nachmittags um 5 konnten wir endlich mit dem Helikopter losfliegen. Schon kurz nach dem Start verschwanden die Häuser, nach fünf Minuten auch die Bäume und wir sahen nur noch Seen, Bäche, Flüsse und ein paar Rentiere. Knapp 100 Kilometer flogen wir Richtung Norden mitten in die Tundra. Ausser Angsthase Daniela genossen alle den Flug bei perfektem Wetter und unglaublicher Natur. Wir landeten mitten im Nichts, keine Häuser, kein Handyempfang, keine Dusche oder Toilette…. kein Kühlschrank mit kaltem Bier!


Nach der Landung war das Gepäck schnell ausgeladen und der Helikopter flog schon wieder davon. Es war schon ein spezielles Gefühl als die Zivilisation davon flog und wir hofften, dass sie nach 10 Tagen wieder zu uns zurückkehrt. Obwohl wir schon steigende Fische ausmachen konnten beherrschten wir uns und stellten zuerst unser Camp auf. Die Bedingungen für den Zeltaufbau waren nicht optimal, trotz allen Widrigkeiten haben wir uns doch noch ein schönes Zuhause geschaffen.

Fisch und Verpflegung
Endlich, auf zu den Fischen! Die Fischerei war heikler als wir uns vorgestellt hatten. Wir haben hauptsächlich glasklare, langsam fliessende Bäche oder flache Seen befischt und daher waren die Fische sehr spooky. Das Schöne daran war, dass die Fischerei eine Herausforderung war und nicht Akkord-Drillen. Uns war bewusst, da wir für die Hauptsaison zu früh waren, aber trotzdem nahmen wir die Herausforderung gerne an! Am erfolgreichsten waren klar die Trockenfliegen, jedoch in allen Größen und Mustern. In den schnellen Teilen des Flusses konnte man die Fliege kaum aufs Wasser legen, schon schnappte sich eine kleine Äsche oder Forelle die Fliege und lieferte einen abenteuerlichen Drill. Bereits die ersten paar Fische zeigten uns welche Kraft in diesen Wildfischen steckt und zeigten, dass sogar Forellen um die 35 cm, im schnellen Wasser, bis ins Backing gehen. Hin und wieder gelang es und auch grösseren Exemplare zu überlisten. Auch optisch beeindrucken die Forellen mit ihren starken Farben und grossen Punkten, die Äschen zeigen eine imposante Fahne. Bei guten Bedingungen mit etwas Wind konnten wir viele schöne Fische direkt vor unserem Camp fangen. Zudem haben wir regelmässig längere Wanderungen unternommen um andere Gewässer zu erkunden. Die Zahl an Flüssen, Bächen und Seen ist fast unendlich. So erreichten wir auch einen grösseren Fluss an dem wir regelmässig zurückkehrten, da der Bestand an grossen Äschen beeindrucken war.




Fischen macht hungrig! Aus Gewichtsgründen mussten wir unser Essen gut einteilen und hatten deshalb nur Reis, Pasta und diverse Fertigsaucen, die man mit Wasser anrühren kann (mhhhh!). Trinken konnten wir direkt aus dem Fluss, da das Wasser absolut sauber ist (trotzdem kein Ersatz für Bier oder Cola), nur Zoran traute der Sache nicht ganz und sog sich das Trinkwasser unter unvorstellbaren Anstrengungen durch einen Kohlefilter. Zur Abwechslung gab es natürlich den Einen oder Anderen köstlichen Fisch. Nach spätestens 5 Tagen stehen dir die Fertig-Saucen bis zum Hals und das Verlangen nach Fleisch wird immer grösser. Nach erfolgreicher Tundra-Jagd genossen Michi und Mauro einen Tundra-Gourmet-Schmaus: einen auf offenem Feuer zubereitetem Lemming. Es blieb bei diesem einem, da Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis standen.



Wetter und Moskitos
Die grössten Feinde in der Tundra sind definitiv die Millionen kleinen Scheisser, die einem das Leben echt zur Hölle machen können. Das überall erhältliche “Dschungelöl” war für uns fast das grössere Übel als für die Moskitos. Wirklich entspannen konnten wir erst bei starkem Wind. Doch wenn es windstill war gab es kein entrinnen, egal ob Sonne oder Regen sie waren überall. Das Wetter hat uns viel Abwechslung gebracht, von – 2 bis 20 Grad, Wind, Nebel, Regen Gewitter war alles dabei. Da es 24 Stunden hell war passte sich unser Tages-Rhythmus schnell den Beisszeiten und dem Wetter an. Abendessen morgens um 3, Frühstücken abends um 6, alles drehte sich nur noch ums Fische fangen. Doch als es zwei Tage lang stürmte und regnete wurde sogar UNO spielen langweilig und man spürte jeden Knochen von den 36 Stunden im Zelt liegen. Als sich das Wetter etwas beruhigte brachen Daniela und Mauro auf um ca. 1,5 Gehstunden weiter weg um zu fischen da sie genug davon hatten rumzuliegen, während Michi und Zoran noch schliefen. Da zog ein grosses Gewitter auf und wir spürten die Gewalt der Natur am eigenen Leib, als Donner und Blitz gleichzeitig auf allen Seiten zu hören und sehen waren und es zum ersten Mal wieder dunkel wurde. Doch der Spuck ging ebenso schnell vorbei wie er gekommen war und bis auf ein paar Schreck-Sekunden passierte uns nichts, trotzdem waren alle froh einander wieder zu sehen.






Heimreise
Es waren unglaublich tolle Tage und wir waren zu tiefst beeindruckt von der Natur, die trotz ihrer Kargheit voller Leben und Schönheit steckt. Obwohl es manchmal hart war, waren die zehn Tage doch viel zu schnell vorbei und da war er also, der Moment wo wir unser Camp abgebrochen hatten und auf den Helikopter warteten… und warteten… und warteten. Immer mehr von unseren Plänen wurden gestrichen, zuerst das lang ersehnte Essen, das Duschen und unser Rückflug stand auch schon fast auf dieser Liste. Dann, endlich kam der Helikopter! Der Pilot sah etwas müde aus und erklärte, dass wegen dem schlechten Wetter die letzten zwei Tag keine Flüge möglich waren und darum Gäste die schon längere Zeit warten mussten Priorität hatten. Sofort nach der Landung wurden wir ins Auto umgeladen und im Eiltempo an den Flughafen gebracht – in der aller letzten Minute! Dank den flexiblen und freundlichen Flughafenmitarbeitern wurden die Türen des Flugzeugs nochmals für uns und unser Gepäck geöffnet. Keine fünf Minuten später waren wir in der Luft und wir bestellten Bier, Cola und Schokolade. Die noch unverarbeiteten Eindrücke der Tundra waren noch so gegenwärtig so, dass erst das Zischen einer Dose und das Geplapper uns in unsere hektische Welt zurück brachte. Ungewaschen, stinkend aber glücklich endlich ohne Moskitos zu sein, waren wird trotzdem traurig die schöne Gegend zu verlassen. Unser Gepäck kam zwei Tage später auch bei uns an und verlieh unserer Wohnung noch ein letztes Mal den Duft der Wildnis. Wir werden mit Sicherheit wieder in die schwedische Tundra zurückkehren. Hier ein paar Impressionen:




Mehr Bilder gibt’s in der Galerie.
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